Menschen

Vermutlich haben Sie schon einmal etwas über Delfintherapie im fernen Florida gelesen oder vom Therapeutischen Reiten gehört. Aber kaum jemand kennt die Tiergestützte Therapie und Pädagogik mit Schaf, Schwein und Huhn. Unser Förderverein soll dazu beitragen, das zu ändern. Schließlich hat die bunte Bauernhoftierschar insbesondere für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen, aber auch für Ältere und Menschen mit Demenz so viel zu bieten.

 

Einmal selbst Eier auszubrüten, mit einem echten Esel die Weihnachtsgeschichte einzustudieren oder gemeinsam mit Ziegen über Strohballen zu klettern, sind unvergessliche Erlebnisse. Aber auch die alltäglichen Arbeiten wie Stallsäubern und Fellpflege fördern auf vielfältige Weise und machen stolz. Bauernhoftiere bewegen Menschen – das ist unsere gemeinsame Überzeugung. Ansonsten hat jede von uns noch ihre eigenen Motive, warum dieses Förderverein ein »muss« ist.

Andrea

Die Herzblutbäuerin, Tiertrainerin und erfahrene Fachkraft für Tiergestützte Therapie und Pädagogik

 

Wenn mein Mann und ich gefragt werden, was für einen Bauernhof wir bewirtschaften, so erklären wir, dass wir »keinen Bauernhof bewirtschaften«, sondern »einen Bauernhof leben« – und das aus ganzem Herzen. Schon immer spielten Bauernhoftiere dabei eine große Rolle. Der Alltag mit ihnen, von der Geburt bis hin zum Abschiednehmen, hat uns positiv geprägt und zu einem respektvollen und liebevollen Umgang mit unseren Bauernhoftieren beigetragen. Kuh, Schwein, Schaf und Ziege haben besondere Talente, mit denen wir uns identifizieren können und die uns Freude schenken. Immer wieder sind wir aufs Neue überrascht, wie sich Mensch-Tier-Kontakte gestalten, spontan, einfühlsam, freudig, treuherzig ...

 

Motivation und Ausbildung müssen sein

Diese Nähe zu den Tieren war ein Grund, mich 2010 in die Ausbildung zur Fachkraft für Tiergestützte Therapie und Pädagogik zu wagen – als Exotin allein unter Hundebesitzern und Pferdefreunden. Und natürlich Motivation genug, sie auch zu beenden.

Ein anderes Motiv war die Einsicht, dass die üblichen kurzen Besuche von Schulklassen auf unserem Hof mir nicht mehr genügten. Sie sind gut, um einmal Landwirtschaftsluft zu schnuppern und einen kurzen Einblick in unsere Ökolandwirtschaft zu bekommen. Aber die Zeit reicht weder für individuelle Erlebnisse noch für persönliche Fortschritte.

 

Förderung mit Herz, Hand und Fuß

Wer Menschen wirklich weiterbringen will, muss sie länger und gezielter begleiten. Unsere Tiergestützte Therapie und Pädagogik auf dem Bauernhof fängt mit viel Vorbereitung an und hört mit viel Nachbereitung auf. Jeder Besuch wird dokumentiert, mit Fachleuten diskutiert und je nach Bedarf geändert. Dies ist auch der Unterschied zur Bauernhofpädagogik. Durch die angeleiteten, geplanten, regelmäßig stattfindenden Tier-Begegnungen entstehen echte Beziehungen zwischen Menschen und Tieren. Unser Hof ist kein Streichelzoo, sondern eine Mensch-Tier-Begegnungsstätte und Lebensschule, von der alle profitieren. Entscheidend ist für mich, dass es den Menschen und den Tieren bei uns gut geht.


Jutta

Die Journalistin, Agraringenieurin und Tierfreundin

 

Als ich das erste Mal für eine Reportage über Tiergestützte Therapie und Pädagogik auf den Bauernhof der Familie Göhring kam, war ich sofort begeistert. Zu erleben, wie sich immobile Menschen aus dem Rollstuhl hieven, um eine Kuh zu streicheln, andere mühsam Halm für Halm frisches Stroh für einen sauberen Ziegenstall zusammenklauben oder Kinder mit Schwerstmehrfachbehinderung beim Schaf ein paar glückliche Momente finden, hat mich schwer beeindruckt. Wenn die Kinder ausmisten, Schweine füttern oder Esel striegeln, merken sie gar nicht, wie viel sie sich bewegen, wie sie Verantwortung übernehmen und dadurch an Selbstbewusstsein gewinnen. Solch eine Förderung, die Menschen hilft und Tieren nützt, scheint mir eine geniale Idee zu sein.

 

Mehr Wohl für Mensch und Tier

Mit vielen Pferden und Kleintieren groß geworden, war ich zu Beginn meines Landwirtschaftsstudiums schlicht geschockt, wie die meisten unserer Nutztiere dahinvegetieren (müssen). Umso glücklicher machen mich Orte, die zeigen, dass Bauernhoftiere genau wie Hund und Katz eigene Persönlichkeiten sind und Jung und Alt vorwärtsbringen. All das hat mich motiviert mit Andrea das Buch „Bauernhoftiere bewegen Kinder“ zu schreiben und den Förderverein „Bauernhoftiere bewegen Menschen e.V.“ zu gründen.

 

Wir  möchten mit Vorurteilen gegenüber unseren Bauernhoftieren aufräumen und um mehr Verständnis für unsere tierischen Partner bitten. Wer unseren Hof  besucht  oder einfach die Bilder und Filme auf unserer Internetseite anschaut, kann sehen, dass Hühner nicht dumm, Schweine nicht dreckig und Schafe wirklich sozial intelligente Wesen sind.

Wir hoffen, dass unsere Begeisterung in Wort und Bild rüberkommt und die fachlichen, praktischen Informationen Sie weiterbringen. Denn Nachahmer sind mehr als erwünscht.